Über dem Bundesdurchschnitt

Über dem Bundesdurchschnitt

In einer Stadt von der Größenordnung Triers erleiden jährlich rund 100 Menschen einen plötzlichen Herztod. Entscheidend für das Überleben und die anschließende Lebensqualität ist die integrierte Behandlung in einer dafür ausgestatteten Klinik. Mit seinem Cardiac Arrest Zentrum hält das Herzzentrum im Brüderkrankenhaus Trier ein hochmodernes Behandlungsangebot für reanimierte Patienten bereit. Das Reanimationsregister 2026 der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zeigt nun, worin der konkrete Nutzen für die Betroffenen liegt.

Tritt der plötzliche Herztod ein, zählt jede Sekunde. Umso wichtiger ist es, dass Augenzeugen unverzüglich den Notarzt verständigen und sofort mit Maßnahmen zur Wiederbelebung beginnen. Dass in der Moselstadt und ihrer Umgebung die Bereitschaft zur Laienreanimation stetig steigt, ist maßgeblich das Verdienst von Initiativen wie „Hand aufs Herz Trier e.V.“ sowie der von „Region der Lebensretter“ initiierten Ersthelfer-App, weiß Dr. med. univ. Simon Becker. „Für das Überleben, vor allem aber für die Lebensqualität der Menschen nach einer geglückten Reanimation ist es extrem wichtig, dass Ersthelferinnen und Ersthelfer sofort aktiv werden“, ergänzt der Oberarzt der kardiologischen und herzchirurgischen Intensivstation des Herzzentrums Trier.

Entscheidend für ein möglichst gutes „Outcome“ sei jedoch auch, ob die anschließende Behandlung in einer auf reanimierte Patienten spezialisierten Klinik erfolgt. Tatsächlich wird in aktuellen internationalen Leitlinien empfohlen, reanimierte Patienten aufgrund der hohen Komplexität in spezialisierten Zentren zu behandeln.

Mit dem Cardiac Arrest Zentrum verfügt das Herzzentrum Trier über eine solche Einrichtung; das CAZ wurde 2019 als eines der ersten Zentren dieser Art von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DKG) und des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) zertifiziert. Voraussetzung für diese Anerkennung ist unter anderem die Teilnahme an bundesweit vergleichbaren Datenerhebungen wie dem Deutschen Reanimationsregister. Dr. Becker zeichnet federführend für die Dokumentation im Rahmen dieses Reanimationsregisters verantwortlich, und die Zahlen, die er und Oberarzt Dr. med. Dirk Nauheimer nun für das vergangene Jahr erhielten, bestätigen die erfolgreiche Arbeit des Teams. So lag die Wahrscheinlichkeit, nach einer Reanimation wieder ins häusliche Umfeld zurückkehren zu können, nach einer Behandlung im Cardiac Arrest Zentrum Trier in der Langfristperspektive über dem Bundesdurchschnitt.

Das, so Dr. Becker, sei auch deshalb beachtlich, da Trier in einer ländlich geprägten Region liegt, was naturgemäß zu oft längeren Transportwegen für die Patienten führt. Der Intensivmediziner betont in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung und den großen Nutzen der engen Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst. Generell gelte: „Wenn es vor der Einlieferung in die Klinik schon gut läuft, dann verbessert das auch die Chancen, dass die Patienten die Reanimation überleben und relativ selbstständig ins Leben zurückkehren können“, sagt Dr. Nauheimer. Ein weiteres Plus, das zu den insgesamt guten Ergebnissen der Arbeit des Cardiac Arrest Zentrums Trier geführt haben dürfte: Im Herzzentrum wird eine sogenannte ECMO bereitgehalten. An diese werden Patienten in einem äußerst kritischen Stadium angeschlossen, damit das Blut des Menschen außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und Kohlendioxid entfernt werden kann. Auf diese Weise lässt sich etwas Zeit gewinnen – etwa bis zu einem interventionellen Eingriff an den Herzgefäßen. Denn bei einem Großteil der reanimierten Patienten bildete ein verschlossenes Herzkranzgefäß die Ursache für den Herzstillstand.

„Eine erfolgreiche Reanimation ist immer Teamarbeit. Vom Rettungsdienst über die Ärztinnen und Ärzte bis hin zu den Pflegekräften auf der Intensivstation trägt jeder Einzelne dazu bei, Leben zu retten. Gerade die spezialisierte Versorgung von A-Z durch ein erfahrenes Team entscheidet oft darüber, wie gut Patientinnen und Patienten nach einem plötzlichen Herztod wieder ins Leben zurückfinden. Darauf können wir als Herzzentrum stolz sein“, sagt dessen Leiter und Chefarzt Kardiologie, Professor Dr. med. Nikos Werner.