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Anzahl der Herz-OPs binnen zwei Jahren fast verdoppelt

„Das spricht für die hohe Qualität, die hier erreicht wurde“

„Das spricht für die hohe Qualität, die hier erreicht wurde“

Vor zwei Jahren übernahm Professor Dr. med. Assad Haneya die Leitung der Trierer Herzchirurgie, seither hat sich die Zahl der Operationen am Herzen im Brüderkrankenhaus verdoppelt. Der international renommierte Mediziner, der auch die Thorax- und Gefäßchirurgie verantwortet, war seinerzeit von Kiel an die Mosel gekommen und hat die hiesige Herzchirurgie neu aufgestellt. Diese ist eine von drei Kernabteilungen des Herzzentrums Trier. Ein Gespräch mit Professor Haneya über neue minimalinvasive Möglichkeiten seines Fachs, die Bedeutung seiner Abteilung für die herzchirurgische Versorgung in der Großregion sowie die internationale Forschung.

Herr Professor Haneya, mit Ihrem Wechsel vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel ins Herzzentrum Trier brachten Sie eine ganze Reihe von Ideen und Innovationen mit. Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten beiden Jahren aus?

Professor Dr. med. Assad Haneya: Absolut positiv! Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen der weiteren Kernfachabteilungen des Herzzentrums Trier, der Kardiologie und der Rhythmologie, ist es uns gelungen, das Brüderkrankenhaus zu einem der führenden Zentren der Herzmedizin in Deutschland zu entwickeln. Hieran hatte und hat die Herzchirurgie einen bedeutenden Anteil.

Woran machen Sie das fest?

Professor Haneya: Ein deutlicher Beleg für die von mir beschriebene Entwicklung ist die Zahl der durchgeführten Operationen: Während vor zwei Jahren jährlich rund 400 Eingriffe vorgenommen wurden, sind es inzwischen knapp 800 OPs. Immer mehr Patientinnen und Patienten kommen nicht nur aus der Region um Trier, sondern weit darüber hinaus, um sich bei uns behandeln zu lassen. Das spricht für die hohe Qualität, die hier erreicht wurde.

1991 wurden im Brüderkrankenhaus erstmals Operationen am offenen Herzen durchgeführt, seither haben sich die Möglichkeiten der Herzchirurgie wie auch die der Kardiologie und Rhythmologie dramatisch verändert. Sie haben als ausgewiesener Experte für minimal-invasive Herzchirurgie einige dieser neuartigen Verfahren hier etabliert.

Professor Haneya: Als ich nach Trier kam, war es mein erklärtes Ziel, hier die minimalinvasive Herzchirurgie zu etablieren. Tatsächlich ist die Spezialisierung auf minimal-invasive Eingriffe heute ein besonderes Markenzeichen unserer Abteilung. Bei isolierten Herzklappen-OPs werden inzwischen über 95 Prozent aller Eingriffe über kleinste Zugänge durchgeführt – ein Spitzenwert in Deutschland. Auch für geeignete Bypass-Patienten können wir eine minimal-invasive Operation anbieten. Nur sehr wenige Zentren in Deutschland verfügen über diese Expertise.

Was sind die Vorteile für die Patienten?

Professor Haneya: Bevor ich nach Trier kam, hatte ich bereits national wie auch international umfassende Erfahrungen und Expertise auf diesem Gebiet gewinnen können. Diese besondere Kompetenz wurde dann unter meiner Leitung konsequent ausgebaut und etabliert. Für unsere Patienten bringen diese minimal-invasiven Verfahren entscheidende Vorteile mit sich, entfällt doch die sonst übliche Öffnung des Brustkorbs, weshalb der Eingriff insgesamt weniger belastend und die Zeit der Regeneration deutlich kürzer ist.

Gleichwohl sind auch minimal-invasive Operationen nicht schmerzfrei…

Professor Haneya: Das stimmt, auch modernste Verfahren gehen mit postoperativen Schmerzen einher. Zu den Begleiterscheinungen der minimal-invasiven Klappen- und Bypass-Chirurgie zählt etwa der Umstand, dass die Schmerzen recht ausgeprägt sind, weil wir teilweise über mehrere Stunden zwei Rippen spreizen mussten, um uns von der Seite Zugang zum Herzen verschaffen zu können. Deshalb setzen wir bei unseren Patienten auf eine besondere schmerztherapeutische Innovation.

Wie funktioniert diese neue Schmerztherapie?

Professor Haneya: Mit Temperaturen von bis zu 90 Grad Minus werden gezielt periphere Nerven im Umfeld ausgewählter Rippen derart blockiert, dass sie über Wochen nicht mehr in der Lage sind, Schmerzimpulse an das Gehirn abzugeben. Vereinfacht gesagt, kappen wir die Nervenbahnen im operierten Bereich vorübergehend so, dass sie faktisch ausgeschaltet sind. Im Zuge der Regeneration kehrt die Funktion der peripheren Nerven schrittweise zurück und stellt sich schließlich vollends wieder ein. Diese sogenannte Cryo Nerve Block-Therapie hat sich bewährt und ist inzwischen bei uns etabliert. In enger Zusammenarbeit mit der Anästhesie wurden außerdem moderne Narkosekonzepte etabliert, die kurze Narkosezeiten sowie eine rasche Extubation direkt nach der Operation ermöglichen und so das Risiko für Komplikationen wie Delir erheblich senken.

Überregionales Aufsehen erregten Sie im April vergangenen Jahres, als Sie erstmals in Rheinland-Pfalz einem Patienten ein Kunstherz implantierten.

Professor Haneya: Der Aufbau eines Programms zur Versorgung von Patienten mit schwerer Herzschwäche war und ist einer der Schwerpunkte meines Teams. Neben modernen Herzunterstützungssystemen, sogenannten Kunstherz- oder Pumpensystemen, wurde 2024 landesweit erstmals ein sogenanntes „Total Artificial Heart“, also ein vollständig künstliches Herz erfolgreich implantiert. Damit zählt das Herzzentrum Trier zu einem der wenigen Zentren in ganz Deutschland und sogar in Europa, die dieses hochkomplexe Verfahren beherrschen.

Wenn Sie derart moderne und an nur wenigen Zentren etablierte Verfahren einsetzen – inwiefern fließen Ihre Erfahrungen und die Ihres Teams dann auch in deren Weiterentwicklung mit ein?

Professor Haneya: Klar hat eine optimale Versorgung unserer Patienten höchste Priorität und steht im Mittelpunkt. Doch auch die Forschung spielt für uns eine entscheidende Rolle. Die Trierer Herzchirurgie nimmt inzwischen an einer ganzen Reihe multizentrischer Studien teil und hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Ein besonderes Anliegen ist mir auch die Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner: In Kooperation mit dem Medizincampus Trier der Universitätsmedizin Mainz werden spezielle Kurse für Studierende angeboten, um frühzeitig Einblicke in die Herzchirurgie zu geben und Begeisterung für das Fach zu wecken.

Hinzu kommt: Unsere Expertise in der minimal-invasiven Herzchirurgie bleibt auch international nicht unbemerkt. In Kooperation mit zwei großen Medizintechnik-Firmen kommen mittlerweile regelmäßig Chirurgen aus dem In- und Ausland nach Trier, um direkt von den Erfahrungen meines Teams zu lernen. Damit hat sich Trier als Trainings- und Referenzzentrum etabliert, das nicht nur Patienten, sondern auch die Fachwelt begeistert.

 
 

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